Meine Musik lag auf dem NAS, die Hörbücher auf Audiobookshelf, ein Rest auf Jellyfin und in iCloud Drive. Vier Quellen, vier Apps, und keine davon ließ meine Daten in Ruhe. Irgendwann habe ich aufgehört, nach der richtigen App zu suchen, und angefangen, sie zu bauen.
Der Anlass
Mein Audio-Setup ist über Jahre gewachsen, wie das bei selbst gehosteten Dingen so ist. Erst das NAS mit der Musiksammlung, dann Audiobookshelf für die Hörbücher, dazwischen ein Jellyfin, und ein paar Alben lagen aus historischen Gründen in iCloud Drive. Jede Quelle brachte ihre eigene App mit, jede App ihre eigene Bedienung, ihren eigenen Zustand, ihre eigenen Macken. Die offiziellen Clients banden mich an jeweils ein Backend, und VLC spielte zwar alles ab, aber ohne Bibliothek, Kapitel und Gapless.
Richtig gestört hat mich aber etwas anderes. Es ging um Dateien, die mir gehören, auf Servern, die ich selbst betreibe. Trotzdem wollten manche dieser Apps ein Konto, brachten Analytics-SDKs mit oder funkten Telemetrie nach Hause. Das Missverhältnis wurde mit jedem Jahr absurder: Je mehr ich selbst hostete, desto mehr Apps mit Datenhunger brauchte ich, um es zu benutzen.
Ich wollte einen Player mit Fokus auf Datenschutz, der alles abspielt, was mir gehört. Eine App statt fünf. So entstand CLAUDIO.
Was ich bewusst nicht gebaut habe
Rückblickend waren die wichtigsten Entscheidungen keine Funktionen, sondern Auslassungen.
Kein Katalog. CLAUDIO verkauft keine Musik und betreibt keinen eigenen Server. Es gibt keinen Dienst in der Mitte, durch den etwas hindurchmüsste, weil es diesen Dienst schlicht nicht gibt. Die App verbindet sich ausschließlich mit den Quellen, die man selbst einträgt. Empfehlungen gibt es inzwischen auf Home, aber nur aus der eigenen Sammlung, und das Geschmacksprofil dahinter entsteht auf dem Gerät. Man kann es einsehen und zurücksetzen.
Kein Konto. Es gibt nichts, wo man sich registrieren könnte. Bibliothek, Wiedergabeverlauf und Podcast-Abos liegen auf dem Gerät. An einen Server geht davon nur dort etwas, wo man selbst einen eingetragen hat. Auch der Favoriten-Abgleich mit Navidrome, Jellyfin und Audiobookshelf, der mit Ultra oder Pro+ in beide Richtungen läuft, nutzt die Anmeldung am eigenen Server, kein CLAUDIO-Konto.
Keine Analytics. Der einfachste Weg, keine Daten zu sammeln, ist, die Werkzeuge dafür gar nicht erst einzubauen. In CLAUDIO steckt kein Analytics-SDK, keine Telemetrie, kein Crash-Reporter, der „anonymisiert“ mitschreibt. Das App-Store-Label „Keine Daten erfasst“ ist damit keine Behauptung, sondern eine Beschreibung.
Was schwieriger war als gedacht
Die Wiedergabeposition. Bei Hörbüchern und Podcasts zählt eine Sache mehr als jedes Klangdetail: dort weiterzukommen, wo man aufgehört hat. Das klingt nach einer Zeile Code und ist es nicht. Kapitelanzeige, Sleep Timer, Scrubbing, Fortschrittsspeicherung und die Anzeige im Auto brauchen alle dieselbe Position. Sobald mehrere Stellen im Code ihre eigene Vorstellung davon pflegen, driften sie auseinander, und das Fortsetzen landet ein paar Sekunden daneben.
Dazu kommen die unsanften Abbrüche: etwa wenn im Auto die Zündung ausgeht, bevor das System der App überhaupt Bescheid gibt. Am Ende steht in CLAUDIO eine einzige Quelle der Wahrheit für die Position, mit einer festen Messkette dahinter. Wie das im Detail funktioniert, steht im Beitrag über die Architektur von CLAUDIO.
Hörbücher, Podcasts, Musik
Alle drei haben in CLAUDIO einen eigenen Reiter und eigene Werkzeuge:
- Hörbücher: Kapitel aus M4B und getaggten MP3, ein Sleep Timer bis zum Kapitel- oder Buchende und ein Wiedereinstieg, der nach einer Pause ein paar Sekunden früher beginnt.
- Podcasts: Abonnieren per URL oder Apple-Podcasts-Suche, Folgen herunterladen, Anfang und Ende überspringen, OPML-Import und -Export.
- Musik: Album Wall und LP Mode, 10-Band-EQ, Gapless, Crossfade und synchrone Songtexte.
Wo es weitergeht
CLAUDIO ist ein Solo-Projekt geblieben: keine Firma, keine Investoren, und Feedback lese ich selbst. Ich höre bis heute täglich damit Musik, Hörbücher und Podcasts, und jedes Detail, das mich stört, wandert auf die Liste. Inzwischen steht die App bei Version 15.0 und läuft auf iPhone, iPad und Mac, auf iPad und Mac mit eigenem Layout in zwei Spalten.
Alle Funktionen, die Quellen und die Preise stehen auf der Produktseite. Hier soll es bei der Geschichte bleiben.
Offenlegung: CLAUDIO ist meine eigene App; dieser Text ist ein Blick hinter die Kulissen, keine neutrale Besprechung. Funktionen und Kaufbedingungen stehen auf der Produktseite.