Tobias Reithmeier

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Musiksammlung richtig taggen: Metadaten, Cover, Ordnung

Schematische Gegenüberstellung: Links zerfällt ein Album wegen unterschiedlicher Artist-Tags in drei Einträge, rechts hält der Album-Artist-Tag es zusammen
Eigene schematische Darstellung - dasselbe Album ohne und mit gepflegtem Album-Artist-Tag

Der Musik-Server ist in einer halben Stunde installiert - und dann das: Ein Album taucht dreimal auf, Feature-Tracks stehen als eigene „Künstler" in der Liste, die Hälfte der Cover fehlt. Fast immer liegt das nicht an Navidrome oder Jellyfin, sondern an den Tags. Denn moderne Musik-Server bauen die Bibliothek nicht aus Ordnernamen, sondern aus den Metadaten in den Dateien. Wer die im Griff hat, bekommt eine Bibliothek, die aussieht wie ein Streaming-Katalog - nur eben die eigene.

Grundregel: Tags schlagen Ordner

Navidrome organisiert die Bibliothek ausschließlich über die Tags in den Audiodateien; Ordner- und Dateinamen spielen für die Gruppierung keine Rolle. Jellyfin verlangt lediglich, dass ein Ordner genau ein Album enthält - alles Weitere liest auch Jellyfin bevorzugt aus den eingebetteten Metadaten. Die Konsequenz: Umbenennen von Ordnern repariert gar nichts. Repariert werden müssen die Tags.

Die Tags, an denen Alben zerbrechen

Album Artist ist der wichtigste Tag der Sammlung. Steht bei einem Album mit Gastmusikern in Track 3 „Künstler: A feat. B", gruppieren Server ohne gepflegten Album-Artist die Datei als eigenes Album desselben Namens - das Album „zerfällt". Der ALBUMARTIST-Tag (bei allen Tracks identisch, z. B. nur „A") hält es zusammen, während der ARTIST-Tag pro Track weiterhin die Gäste nennen darf. Navidrome empfiehlt darüber hinaus die mehrwertigen Varianten ARTISTS/ALBUMARTISTS, mit denen mehrere Beteiligte sauber als einzelne Personen erkannt werden.

Daneben lohnt ein Blick auf:

  • Compilation-Flag: Sampler wie Soundtracks gehören nicht zu einem Künstler. Dafür gibt es einen eigenen Schalter - bei MP3/ID3 das TCMP-Frame, bei FLAC ein COMPILATION=1 -, den Navidrome ausdrücklich auswertet
  • Disc- und Tracknummern: Bei Doppel-CDs DISCNUMBER 1/2 setzen, sonst sortieren Track 1 von CD 1 und CD 2 aufeinander
  • Jahr und Genre: kein Muss, aber die Basis für jede sinnvolle Sortierung und für Smart Playlists

Cover: einbetten und beilegen

Beim Artwork fahren zwei Wege am sichersten parallel: das Cover in jede Datei einbetten und zusätzlich als cover.jpg in den Albumordner legen. Jellyfin nimmt das eingebettete Bild des ersten Tracks, wenn kein separates vorliegt; Navidrome kennt eine ganze Auflösungsreihenfolge von Artwork-Quellen aus Ordnerbildern und eingebetteten Covern. Eingebettete Cover haben den Vorteil, dass sie die Datei überallhin begleiten - auch auf den iPod eines Freundes oder in einen lokalen Player. Als Faustregel reicht 1000×1000 Pixel; deutlich größere Scans blähen jede Datei unnötig auf.

Bei Jellyfin lohnt noch ein Extra: Ein Bild im Wurzelordner eines Künstlers dient als Artist-Bild in der Übersicht.

Ordnerstruktur: für Menschen, nicht für den Server

Auch wenn die Server sie nicht brauchen - eine saubere Struktur bleibt Pflicht, schon für Backups, Umzüge und den eigenen Überblick. Bewährt hat sich das Schema, das auch die Navidrome-Dokumentation empfiehlt:

Musik/
  Künstler/
    Album/
      01 - Titel.flac
      cover.jpg

Zwei Stolperfallen aus der Jellyfin-Dokumentation: pro Ordner nur ein Album (Multi-Disc-Alben in einen gemeinsamen Ordner, optional mit Disc-Unterordnern), und Sonderzeichen wie < > : " / \ | ? * in Dateinamen vermeiden - sie machen spätestens beim Umzug auf ein anderes Dateisystem Ärger.

Die Werkzeuge

  • MusicBrainz Picard (kostenlos, macOS/Windows/Linux) gleicht Alben mit der MusicBrainz-Datenbank ab und schreibt konsistente Tags inklusive Album-Artist, Compilation-Flag und Cover - ideal, um eine unordentliche Bestandssammlung einmal komplett durchzuziehen
  • Mp3tag (Windows, Mac-Version) ist das Werkzeug für gezielte Batch-Eingriffe: hundert Dateien markieren, ein Feld ändern, fertig

Ein bewährter Workflow: Neuzugänge grundsätzlich durch Picard schleusen, bevor sie in die Sammlung wandern - dann bleibt die Bibliothek von selbst konsistent, statt alle paar Monate eine Großreinigung zu brauchen.

Fazit

Eine gepflegte Sammlung ist kein Selbstzweck: Sie ist der Unterschied zwischen einer Bibliothek, in der man gern stöbert, und einer Liste voller Duplikate und „Unknown Artist". Die Regeln sind überschaubar - Album-Artist konsequent setzen, Compilations markieren, Cover einbetten, ein Ordnerschema durchhalten. Wie du die fertig getaggte Sammlung dann aufs iPhone bringst, zeigen meine Beiträge zu Navidrome und Jellyfin. Wer sich den Server sparen will: CLAUDIO, mein Player mit Fokus auf Datenschutz, liest die getaggten Dateien auch direkt vom Gerät oder - mit dem Abo Ultra oder dem Einmalkauf Pro+ - vom NAS.

Quellen

  • Navidrome: Tagging Guidelines - Organisation ausschließlich über Tags, Album-Artist, mehrwertige Tags, Compilation-Flag
  • Navidrome: Artwork location resolution - Reihenfolge der Cover-Quellen aus Ordnerdateien und eingebetteten Bildern
  • Jellyfin: Music - Server-Dokumentation - ein Album pro Ordner, eingebettete Metadaten, Artist-Bilder, problematische Sonderzeichen
  • MusicBrainz: Picard - freier, plattformübergreifender Tagger auf Basis der MusicBrainz-Datenbank
  • Mp3tag: offizielle Website - Batch-Tag-Editor für ID3, MP4, FLAC/Vorbis und mehr