Es gibt einen Moment, in dem viele Fotografinnen und Fotografen ihr Adobe-Abo hinterfragen: die nächste Preiserhöhung. 2025 war es wieder so weit - das klassische Foto-Abo mit 20 GB stieg von 11,83 auf 17,99 Euro im Monat, und bei Neuabschlüssen wurde es durch teurere 1-TB-Modelle ersetzt. Wer nicht zahlt, verliert den Zugriff auf die Bearbeitung der eigenen Bilder. Als Pentax-Fotograf mit einer K-1 habe ich den Absprung gewagt - zu DxO PhotoLab, mit Dauerlizenz. Hier ist die ehrliche Bilanz.
Die Rechnung: Einmalkauf gegen Dauer-Abo
DxO PhotoLab 9 kostet in der Elite-Version rund 240 Euro - einmalig. Upgrades auf neue Hauptversionen sind optional und kosten etwa die Hälfte; wer eine Version überspringt, verliert nichts, die Software läuft weiter. Gegen das aktuelle Foto-Abo gerechnet (rund 216 Euro pro Jahr) amortisiert sich die Lizenz in gut einem Jahr. Danach fotografierst du gratis weiter - und behältst die Bearbeitungsfähigkeit deiner RAWs auch dann, wenn du mal zwei Jahre nichts upgraden willst. Eine 30-Tage-Testversion nimmt dem Umstieg das Risiko.
Warum ausgerechnet DxO
Drei technische Gründe haben bei mir den Ausschlag gegeben:
- DeepPRIME-Entrauschung. DxOs neuronale Entrauschung ist seit Jahren die Referenz. Die aktuelle Generation DeepPRIME XD3 bringt rund drei Blendenstufen: ISO 12.800 sieht aus wie ISO 1.600, ohne die wachsartigen Artefakte klassischer Entrauscher. Seit Version 9.6 arbeitet XD3 auch mit Bayer-Sensoren - also auch mit dem Vollformatsensor meiner K-1. Für Available-Light- und Landschaftsfotografie in der Dämmerung ist das der größte einzelne Qualitätssprung im Workflow
- Kalibrierte Optikmodule. DxO vermisst Kamera-Objektiv-Kombinationen im Labor - inzwischen über 111.000 Module, für die K-1 allein über 90 Objektivprofile. Verzeichnung, Vignettierung, chromatische Aberration und objektivspezifische Schärfekorrektur passieren automatisch und präziser als mit generischen Profilen
- Lokale Korrekturen ohne Ebenen-Zirkus. Die U-Point-Technologie und die KI-Masken der Version 9 erledigen 90 Prozent dessen, wofür ich früher nach Photoshop wechseln musste
Der Workflow in der Praxis
PhotoLab zwingt dir keinen Katalog auf: Es arbeitet direkt auf der Ordnerstruktur, die Bearbeitungen landen als Sidecar-Dateien neben den RAWs. Mein Ablauf: Karte in einen datumsbasierten Ordner leeren, in der PhotoLibrary sichten und verwerfen, bearbeiten (meist nur Preset plus Feinschliff, DeepPRIME beim Export), fertige JPEGs in die Galerie exportieren. Die RAW-Ordner sichert ein normales Backup - keine Cloud, kein Sync-Dienst, keine Plattform, die mich halten will. Die Bilder auf meiner Fotografie-Seite sind genau so entstanden.
Die ehrlichen Grenzen
Ein fairer Vergleich nennt auch, was fehlt:
- Kein Cloud-Ökosystem. Lightrooms nahtloses Handy-Tablet-Desktop-Sync gibt es nicht. Wer unterwegs am iPad bearbeiten will, wird bei DxO nicht glücklich
- Bildverwaltung ist Beiwerk. Die PhotoLibrary kann Sichten, Sterne, Projekte - aber sie ist kein vollwertiges DAM. Meine Antwort ist eine disziplinierte Ordnerstruktur; wer nach zehntausenden Bildern mit Gesichtserkennung sucht, braucht eine Zusatzlösung
- DeepPRIME kostet Rechenzeit. Die Entrauschung läuft beim Export und will eine ordentliche GPU; auf älteren Rechnern wird die Warteschlange zur Kaffeepause
- Ökosystem-Lücken. Plugins, Tutorials, Presets von Drittanbietern - Adobes Universum ist größer. Dafür ist bei DxO die Notwendigkeit für Zusatzwerkzeuge kleiner
Fazit
Der Wechsel weg vom Adobe-Abo war bei mir keine Trotzreaktion, sondern eine nüchterne Rechnung, die mit jeder Preisrunde besser aussieht: Nach gut einem Jahr ist die Dauerlizenz bezahlt, und die Bildqualität hat sich durch DeepPRIME und die Optikmodule nicht verschlechtert, sondern messbar verbessert. Der Preis dafür ist der Verzicht auf Adobes Cloud-Komfort und ein Stück Ökosystem. Für meinen Anwendungsfall - RAW-Entwicklung am Mac, Ordner statt Cloud, Qualität vor Sync - ist das ein Tausch, den ich jederzeit wieder machen würde.
Quellen
- fotowissen.eu: Adobe erhöht die Preise für Lightroom/Photoshop - Foto-Abo von 11,83 auf 17,99 Euro monatlich
- 5reicherts.com: Adobe Lightroom - wichtige Änderungen im Abo-Modell - Ende des 20-GB-Foto-Abos für Neukunden
- DxO: Shop mit aktuellen Lizenzpreisen - PhotoLab 9 Elite als Dauerlizenz
- fotoMAGAZIN: PhotoLab 9.6 kommt mit DeepPRIME XD3 - rund drei Blendenstufen Rauschgewinn
- DOCMA: DxO veröffentlicht PhotoLab 9.6 mit DeepPRIME XD3 für Bayer-Sensoren - XD3-Ausweitung und KI-Masken
- DxO: Supported Cameras & Lenses - kalibrierte Optikmodule, inklusive Pentax K-1