Fotografieren lernt man durch Fotografieren. Das klingt banal, und trotzdem scheitern viele gute Vorsätze genau daran: Wer sich vornimmt, besser zu fotografieren, steht irgendwann vor einem Motiv und weiß nicht, worauf er achten soll. 365 Lens setzt dort an. Seit Version 2.0 ist die App ein Fotokurs für das iPhone, aufgebaut aus 52 Wochenlektionen und einer Aufgabe für jeden Tag.
Ein Jahr in vier Abschnitten
Der Kurs folgt einem Weg, der beim Licht beginnt und beim eigenen Stil endet. Die 52 Wochenthemen sind in vier Abschnitte zu je dreizehn Wochen geordnet:
- Licht: Belichtung, hartes und weiches Licht, Gegenlicht, goldene und blaue Stunde, Fensterlicht, bis hin zu wenig Licht bei Kerze und Lampe.
- Komposition: Drittel und Goldener Schnitt, Führungslinien, Symmetrie, Muster, Rahmen im Rahmen, Negativraum und der Horizont in der Landschaft.
- Farbe und Ton: Primär- und Komplementärfarben, warme und kalte Töne, Schwarzweiß, hoher Kontrast, Low-Key und High-Key, Weißabgleich.
- Bewegung, Perspektive und Stil: Bewegung einfrieren, Langzeitbelichtung, Mitziehen, der entscheidende Moment, Frosch- und Vogelperspektive, Tiefe durch den Vordergrund und zum Abschluss des Jahres eine Fotoserie.
Jedes Wochenthema hat ein klares Lernziel. In der Woche zur goldenen Stunde geht es um das tiefe, warme, weiche Licht nach Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang, in der Woche zu den Führungslinien um Wege, Schienen und Schatten, die den Blick zum Motiv tragen.
Jeden Tag eine Aufgabe
Ein Thema pro Woche allein wäre zu wenig Übung. Deshalb verbindet jeder Tag das Wochenthema mit einer von sieben Techniken, die sich Tag für Tag abwechseln, von Minimalismus bis Perspektive. So entsteht eine konkrete Aufgabe: nicht „fotografiere Licht“, sondern zum Beispiel ein Rahmen aus Zweigen, einem Bogen oder einer Tür um das Motiv.
Die Wochenthemen folgen dem Kalender. Wer heute anfängt, steigt in der laufenden Woche ein und muss nicht erst ein Jahr nachholen. Das hat einen zweiten Vorteil: Alle, die 365 Lens nutzen, bekommen am selben Tag dieselbe Aufgabe. Mit dem Hashtag des Tages finden sich im eigenen sozialen Netzwerk andere, die an derselben Lektion arbeiten. In der App selbst gibt es dafür keinen Feed und keine Likes.
Lesen, fotografieren, prüfen
Jede Lektion folgt demselben Ablauf. Zuerst erklärt sie, wie etwas funktioniert und warum es wirkt, mit einem Beispielfoto. Dann folgen konkrete Schritte für die Kamera, die man ohnehin dabeihat: auf das Motiv tippen, um die Belichtung zu setzen, den Porträtmodus nutzen, den Abstand für Makroaufnahmen finden. Danach ist die Kamera dran.
Nach der Aufnahme kommt der Teil, der den Kurs von einer bloßen Aufgabensammlung unterscheidet: eine kurze Prüfung. Ein paar Ja-Nein-Fragen zum eigenen Foto zeigen, was gelungen ist und was man beim nächsten Mal probieren kann. Das ersetzt keinen Lehrer, aber es lenkt den Blick zurück auf das, was die Lektion vermitteln wollte. Der Tab „Lernen“ sammelt jede geübte Lektion zusammen mit den eigenen Fotos.
Die Begriffe dazu
Wer Fotografie lernt, stößt schnell auf Wörter wie Blende, Belichtungszeit, ISO, Bokeh oder Negativraum. Jede Lektion erklärt einen Begriff in einfachen Worten, und das Glossar sammelt über 80 davon. Die Blende zum Beispiel ist die verstellbare Öffnung im Objektiv, durch die das Licht fällt; eine kleine Blendenzahl wie f/1,8 heißt viel Licht und wenig Schärfentiefe. Solche Erklärungen stehen dort, wo man sie braucht, mitten in der Lektion und nicht in einem separaten Lehrbuch.
Gebaut für das iPhone
Der Kurs geht von der Kamera aus, die die meisten ohnehin in der Tasche haben. Die Schritte in den Lektionen beziehen sich auf das iPhone. Ich fotografiere selbst gern, meist mit einer Pentax.
Die Fotos bleiben auf dem Gerät. Es gibt kein Konto und keine Werbung.
Erst testen, dann entscheiden
365 Lens lässt sich 14 Tage lang mit der Lektion der laufenden Woche testen. Danach schaltet ein Einmalkauf alle 52 Lektionen, den Tab „Lernen“, die Selbstprüfung und den Lernfortschritt frei. Ein Abo gibt es nicht. Die Tagesaufgabe, die Kamera, die Galerie und das Teilen mit dem Hashtag bleiben in jedem Fall dabei.
Mehr zur App, mit Bildern aus der aktuellen Version, steht auf der Seite 365 Lens.