Teil 7 der Serie „Smart Home in der Praxis". Teil 1 erklärte, warum das Setup lokal läuft, die Teile 2 bis 5 holten die Wärmepumpe an die eigene Zentrale, Teil 6 stellte das Energiemanagement vor; Teil 8 zieht Bilanz über 25 Automationen.
Wenn ein Smart Home irgendwo echtes Geld verdient, dann hier. Licht per App schalten ist Komfort - aber Solarstrom, Speicher und stündlich schwankende Börsenpreise zu einem System zu verbinden, das jeden Tag selbstständig entscheidet, wohin die Energie fließt: Das ist der Punkt, an dem sich die Zentrale aus Teil 1 bezahlt macht.
Die Zutaten: drei Dachflächen, drei Speicher, ein Preis
Die Erzeugungsseite: Photovoltaik auf drei Ausrichtungen - Süd, Ost und West. Das glättet die Erzeugungskurve über den Tag, macht sie aber auch schwerer vorhersehbar, weshalb Prognosen später eine Hauptrolle spielen. Der SolarEdge-Wechselrichter ist dabei nicht über die Hersteller-Cloud angebunden, sondern lokal per Modbus TCP - Messwerte im Sekundentakt, ohne dass ein Byte das Haus verlässt. Eine kleine APsystems-Anlage ergänzt das Ganze.
Die Speicherseite ist unkonventionell: drei Zendure Hyper 2000, steckerfertige Speicher mit zusammen gut 11,5 kWh, per Community-Integration lokal eingebunden. Statt der Hersteller-App regelt Home Assistant sie im Verbund.
Die dritte Zutat ist der Preis. Über eine ENTSO-E-Integration kennt die Zentrale die Day-Ahead-Börsenpreise von der europäischen Transparenzplattform für jede Stunde des nächsten Tages. Was dynamische Tarife grundsätzlich taugen und für wen sie sich lohnen, habe ich in einem eigenen Beitrag aufgedröselt - hier geht es darum, was ein Smart Home daraus macht.
Saldo-Regelung: der Zähler soll Null anzeigen
Den Kern der Speichersteuerung bildet eine Automation mit dem nüchternen Namen „Saldo-Regelung". Die Idee: Ein Messwandler am Hausanschluss meldet sekündlich, ob das Haus gerade Strom bezieht oder einspeist. Die Zentrale regelt die drei Speicher so nach, dass dieser Saldo möglichst bei Null liegt - Überschuss wandert in die Akkus, Bezug wird aus den Akkus gedeckt. Das klingt banal, ist aber mit drei Geräten im Verbund ein hübsches Regelungsproblem: Wer lädt zuerst, wer entlädt zuerst, was passiert bei Volllast, und wie verhindert man, dass sich die Regelung aufschwingt?
Genau solche Logik ist der Grund, warum die Speicher lokal angebunden sein müssen. Eine Regelschleife, die sekündlich reagieren soll, kann nicht über die Cloud eines Herstellers in Fernost laufen.
Prognosen: heute wissen, was morgen vom Dach kommt
Die zweite Informationsquelle neben dem Preis ist die Solarprognose. Open-Meteo liefert pro Dachfläche eine Vorhersage der Erzeugung - getrennt für Süd, Ost und West. Erst die Kombination aus beidem macht die Steuerung vorausschauend: Ist für morgen Mittag viel Sonne angesagt, muss der Speicher über Nacht nicht aus dem Netz vollgeladen werden, selbst wenn der Strom nachts billig wäre. Kommt eine trübe Woche, lohnt das Nachladen in der billigsten Nachtstunde.
Die Automationen: Auto, Warmwasser, Wärmepumpe
Auf dieser Grundlage laufen die eigentlichen Entscheider - eine Handvoll Automationen, die die großen Verbraucher choreografieren:
- PV-Überschussladen fürs E-Auto: Die Automation erkennt am Stecker, dass ein Auto angeschlossen ist, und regelt den Ladestrom proportional zum Überschuss - scheint mehr Sonne, lädt das Auto schneller. Eine Sicherheits-Automation bricht ab, wenn der Hausspeicher unter eine Mindestladung fällt: Das Auto soll den Überschuss bekommen, nicht die Reserve des Hauses.
- Warmwasser als Speicher: Produziert das Dach mehr, als Haus und Akkus aufnehmen, heizt die Wärmepumpe das Brauchwasser über die Komforttemperatur hinaus auf - Energie, gespeichert in Wasser statt in Lithium. Ein eingebauter Legionellenschutz sorgt dafür, dass die Hygiene-Aufheizung trotzdem regelmäßig stattfindet, und nachts bleibt der Boost aus.
- Wärmepumpe nach Außentemperatur und Vorlaufkurve: Die Zentrale schaltet zwischen Heizen und Kühlen um und passt die Vorlauftemperatur an - im Sommer kühlen die Flächenheizungen sogar, gesteuert von PID-Thermostaten pro Raum.
- Buchhaltung nebenbei: Zähler-Hilfssensoren teilen den Wärmepumpen-Verbrauch automatisch in Heizen, Kühlen und Warmwasser auf. Das klingt nach Verwaltung, beantwortet aber am Jahresende die Frage, wo die Kilowattstunden wirklich geblieben sind - das Energie-Dashboard von Home Assistant macht daraus Diagramme.
Was das System nicht ist
Ein Hinweis zur Einordnung: Nichts davon ist ein Produkt von der Stange, und genau das ist der Haken. Die Bausteine kommen aus dem offiziellen Katalog, aus HACS und aus GitHub-Repositories; die Logik ist selbst gebaut und will gepflegt werden. Wer eine Wartungsfrei-Lösung sucht, wird mit einem kommerziellen Energiemanagementsystem glücklicher. Wer aber verstehen will, wohin seine Energie fließt - und warum sich Millionen solcher flexiblen Haushalte auch volkswirtschaftlich lohnen -, für den ist dieses Baukastensystem schwer zu schlagen.
Im achten und letzten Teil wird es alltäglicher: 25 Automationen im Bestand - welche sich bewährt haben, welche nur Spielerei sind und was daraus zu lernen war.
Quellen
- ENTSO-E: Transparency Platform - offizielle Day-Ahead-Preise der europäischen Strombörsen
- GitHub: hass-entso-e - Community-Integration für ENTSO-E-Preise in Home Assistant
- Open-Meteo: Wetter- und Solar-API - freie Prognosedaten, Grundlage der Erzeugungsvorhersage
- GitHub: home-assistant-solaredge-modbus - lokale Wechselrichter-Anbindung per Modbus TCP
- GitHub: Zendure-HA - Integration der Zendure-Speicher in Home Assistant
- Home Assistant: Home Energy Management - das Energie-Dashboard