Teil 8 und Abschluss der Serie „Smart Home in der Praxis“. Teil 1 begründete die lokale Architektur, die Teile 2 bis 5 holten die Wärmepumpe an die eigene Zentrale, Teil 6 stellte das Energiemanagement vor, Teil 7 zeigte das Energie-Setup.
In meinem Home Assistant laufen derzeit 25 Automationen. Bei 1744 Entitäten klingt das nach wenig, aber an der Zahl der Automationen lässt sich die Qualität eines Setups nicht ablesen. Meiner Erfahrung nach kommen gute Setups mit wenigen, robusten Regeln aus, die man irgendwann vergisst. In diesem Beitrag gehe ich durch, was sich bei mir bewährt hat und was Spielerei geblieben ist.
Die stillen Helfer: Licht, das einfach da ist
Am meisten bringen die Automationen, an die niemand mehr denkt. Vier davon schalten Licht nach Bewegung, in der Küche, im Esszimmer und im Flur oben und unten. Auffallen würden sie erst, wenn sie fehlen. Wer nachts um drei mit vollen Händen durchs Treppenhaus geht, hat einfach Licht. Dieser eine Handgriff fällt tausendfach weg, und das ist mir mehr wert als jede Spielerei.
Die eigentliche Arbeit steckt in den Bedingungen. Die Automation „Vorzimmer: Licht aus am Vormittag“ gibt es, weil Bewegungslicht bei Tageslicht keinen Sinn ergibt. Solche Ausnahmen kommen mit der Zeit dazu, und hinter jeder steckt ein kleines Ärgernis, das jemand im Haushalt hatte.
Ein Knopf für alles: die Gute-Nacht-Szene
Dann gibt es Szenen auf Knopfdruck. Am häufigsten läuft „Gute Nacht“: Ein Druck auf den Funkschalter am Bett, und das Haus geht in den Nachtzustand, mit Lichtern und Steckdosen aus. Außerdem haben mehrere Zimmer eigene Funkschalter für die Deckenbeleuchtung, auch die Kinder haben welche.
Physische Schalter schaffe ich deshalb nicht ab. Ein Smart Home, das sich nur per App oder Sprache bedienen lässt, scheitert an Gästen, an Kindern und an schlechter Laune. Hier hat jede wichtige Funktion auch einen Knopf, den man drücken kann, ohne etwas über das System zu wissen. Die Automation ist nur der kürzere Weg.
Wo das Geld arbeitet
Die Energie-Automationen aus Teil 7 sind rund ein halbes Dutzend: Überschussladen, Speicher-Saldo, Warmwasser-Boost und Wärmepumpensteuerung. Sie sind die kompliziertesten im Bestand und die einzigen mit messbarer Rendite. Sie haben auch mehr Entwicklungszeit gekostet als alle anderen zusammen, und nur an sie muss ich regelmäßig wieder ran, weil sich Tarife, Geräte und Schnittstellen ändern.
Wartung, die sich selbst meldet
Leicht unterschätzt werden Automationen, die sich um das System selbst kümmern. Bei mir laufen gut hundert Geräte auf Batterie, vom Türsensor bis zum Funkschalter. Die Community-Erweiterung Battery Notes weiß für jedes Gerät, welcher Batterietyp hineingehört und wann zuletzt gewechselt wurde, und meldet sich, bevor ein Sensor stumm ausfällt. Bei Updates ist es ähnlich: Die Zentrale zählt derzeit 121 anstehende oder mögliche Aktualisierungen quer durch alle Geräte. Ohne Automatik hätte ich bei beidem keinen Überblick.
Ab einer gewissen Größe muss man also auch das Smart Home selbst überwachen. Ist nur der Komfort automatisiert und die Wartung nicht, fallen nach und nach Geräte aus, ohne dass es jemand merkt.
Die Spielereien - und warum sie bleiben dürfen
Und dann gibt es die Spielereien. Ein „Kaminfeuer-Effekt“ lässt Lampen flackern wie ein Feuer. Nützlich ist das nicht, aber es macht Freude. Das Growlight im Gewächshaus schaltet nach Zeitplan, halb Spielerei, halb ernst gemeint, und die Pflanzen sind zufrieden. Eine weitere Automation wechselt das Farbschema der Bedienoberfläche nach Tageszeit. Wegen solcher Dinge macht mir das Hobby Spaß, und sie kosten nichts. Sie sind einfach gebaut, sie können nicht kaputtgehen, und niemand ist auf sie angewiesen.
Ärger machen eher die ehrgeizigen Automationen mit fünf Bedingungen, drei Personen-Trackern und einer Wetterabhängigkeit, die zweimal im Monat etwas Überraschendes tun. Solche hatte ich auch. Inzwischen sind sie gelöscht, und seitdem ist der Haushalt zufriedener.
Was ich nach dieser Serie für den Einstieg raten würde
Erstens würde ich lokal anfangen, aus den Gründen, die in Teil 1 stehen. Diese Architekturentscheidung lässt sich später kaum noch korrigieren. Zweitens mit den stillen Helfern beginnen und nicht mit dem Energiemanagement, denn ein Bewegungslicht im Flur überzeugt den Haushalt mehr als jedes Dashboard. Drittens braucht jede Automation einen Weg, sie von Hand zu übergehen, sonst wird sie schnell zum Ärgernis. Und viertens erst beobachten, dann automatisieren. Die Automations-Dokumentation von Home Assistant ist schnell gelernt, aber welche Regeln ein Haushalt wirklich braucht, merkt man erst nach ein paar Wochen Hinschauen.
Mit 1744 Entitäten und 25 Automationen ist das Ganze für mich inzwischen mehr Haushaltsführung als Technikprojekt. Geräte und Integrationen werden sich weiter ändern. Woran ich festhalte, ist, das System selbst zu verstehen und selbst zu betreiben.
Quellen
- Home Assistant: Automations-Dokumentation - Trigger, Bedingungen und Aktionen im Detail
- GitHub: HA-Battery-Notes - Batterietypen und Wechseldaten für hunderte Geräte
- GitHub: Magic Areas - raumbasierte Automatik-Bausteine für Anwesenheit und Licht
- HACS: Home Assistant Community Store - Bezugsquelle der genannten Community-Erweiterungen